USA haben Mineralien in der besetzten Westsahara im Blick
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Marokko möchte sich als wichtiger Lieferant strategischer Mineralien für westliche Mächte positionieren und hat daher ein neues Abkommen mit den USA unterzeichnet, das die Gewässer der Westsahara und die dort vorkommenden kritischen Mineralien umfasst.

13. Februar 2026

Am 4. Februar 2026 unterzeichneten Marokko und die Vereinigten Staaten in Washington eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) über die Zusammenarbeit und Investitionen bei der Exploration und Gewinnung kritischer Mineralien. Nach Angaben von marokkanischen und US-amerikanischen Beamt:innen soll das Abkommen die Lieferketten für Mineralien stärken, die als unverzichtbar für die Energiewende, Verteidigungstechnologien und fortschrittliche Fertigung gelten.

Spanische Medien berichten, dass sich das Abkommen ausdrücklich auf Offshore-Bodenschätze bezieht, darunter auch Meeresvorkommen entlang der marokkanischen Atlantikküste. Diese Gewässer überschneiden sich mit den von Spanien in Bezug auf die Kanarischen Inseln beanspruchten Seegebieten sowie mit den Gewässern vor der Küste der Westsahara, einem von den Vereinten Nationen als Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung anerkannten Gebiet, das seit 1975 weitgehend unter völkerrechtswidriger Besatzung durch Marokko steht.

Marokko hat 2020 seine beanspruchten Seegebiete einseitig erweitert und seine ausschließliche Wirtschaftszone und seinen Festlandsockel auf die Gewässer vor der Westsahara ausgedehnt. Da die Westsahara ein von Marokko gesondertes Hoheitsgebiet ist, sind diese maritimen Ansprüche international nicht anerkannt und entbehren jeder Rechtsgrundlage.

Jede einseitige Ausbeutung von Meeresbodenmineralien in umstrittenen Seegebieten birgt die Gefahr, gegen das Völkerrecht und das Mandat der Internationalen Meeresbodenbehörde zu verstoßen, die mineralische Aktivitäten in internationalen Gewässern außerhalb nationaler Hoheitsgebiete regelt.

Das MoU erwähnt die Westsahara zwar nicht ausdrücklich, fügt sich jedoch in ein umfassenderes Muster ein, in dem Marokko Investitionen in natürliche Ressourcen fördert, die sich in oder in der Nähe des illegal besetzten Gebiets befinden. Das Völkerrecht stellt klar, dass die Westsahara von Marokko gesondert und unterschiedliche ist und dass jede Ausbeutung ihrer natürlichen Ressourcen die Zustimmung des sahrauischen Volkes erfordert.

„Die Trump-Regierung behandelt die Westsahara wie einen kommerziellen Vermögenswert und nicht wie ein ungelöstes Dekolonialisierungsproblem“, sagt Sara Eyckmans von Western Sahara Resource Watch (WSRW). „Dadurch dass die Vereinigten Staaten das Land und die Gewässer des Gebiets als Teil eines Mineralienabkommens mit Marokko betrachten, laufen sie Gefahr, das Völkerrecht als ein Hindernis zu behandeln, das wegverhandelt werden kann. Der Eintritt der USA in das besetzte Gebiet untergräbt alle Friedensgespräche, die darauf abzielen, das Selbstbestimmungsrecht des sahrauischen Volkes zu verwirklichen.“

Die Gewässer des Atlantiks zwischen dem Süden Marokkos, den Kanarischen Inseln und der Westsahara beherbergen Dutzende von Seebergen – darunter den bekannten Mount Tropic, einer der weltweit größten Vorkommen von Tellur und Kobalt –, die laut Experten erhebliche Mengen an Eisen, Mangan, Nickel, Kupfer, Arsen und Chrom enthalten. All diese Elemente werden in Batterien, Technologien für erneuerbare Energien, Elektronik und militärischen Anwendungen verwendet. Die US-Regierung strebt zunehmend Vereinbarungen über diese Mineralien an, um die Abhängigkeit von chinesisch kontrollierten Lieferketten zu verringern.

Bemerkenswert ist, dass Spanien trotz der direkten Betroffenheit der Kanarischen Inseln von den betreffenden Meeresgebieten nicht an dem Treffen in Washington teilgenommen hat. Berichten zufolge waren mehrere andere europäische Länder anwesend, was die Abwesenheit Spaniens besonders auffällig machte.

Das Abkommen wurde vier Tage vor den von den USA in Madrid veranstalteten Gesprächen zwischen marokkanischen Beamten und der von den Vereinten Nationen anerkannten Vertretung des sahrauischen Volkes, der Frente Polisario, unterzeichnet, die Berichten zufolge mit Marokkos Autonomievorschlag für die Westsahara in Zusammenhang standen. Der Zeitpunkt unterstreicht, dass die wirtschaftliche und strategische Zusammenarbeit mit Marokko parallel zum Konflikt in der Westsahara voranschreitet, anstatt zu dessen Lösung beizutragen.

WSRW bekräftigt, dass Regierungen und Unternehmen die uneingeschränkte Einhaltung des Völkerrechts gewährleisten und sich nicht an Aktivitäten beteiligen dürfen, die zur Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Westsahara ohne die Zustimmung ihres Volkes beitragen könnten.

 

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